Plastikmüll im Ozean: Wir alle sind verantwortlich

Blid: Eigentum von David Jones

Die Verschmutzung der Ozeane durch Plastik ist schrecklich. LUSH zeigt dir, dass es in unserer Hand liegt.

Die Organisationen, die am Schutz und der Rettung der Ozeane arbeiten, machen eines deutlich: Die Macht, das Problem nicht nur anzugehen, sondern auch zu lösen, liegt zu grossen Teilen am Kaufverhalten und den Entscheidungen von uns allen als Konsument_innen.

In Grossbritannien sind seit Ende 2017 Mikroperlen in Kosmetikprodukten verboten. Das Land folgte damit dem Beispiel der USA. In der EU ist ein solches Verbot derzeit nicht geplant, aber es werden zumindest einzelne Forderungen laut. Doch ein Verbot dieses Mikroplastiks wäre nur ein Anfang. Ein neuer Bericht von Plastic Oceans und der Brunel University zeigt, dass die wahre Lösung die Verwendung von Plastik nur in einem geschlossenen Kreislauf ist.

Ein Ozean aus Plastik
 
Der indische Ozean. Ein Blauwal-Kalb schwimmt durch das Wasser. Über ihm schwimmt eine gigantische, ölige Plastiksuppe bestehend aus Mikroplastik. Dabei handelt es sich um Partikel, die einst Plastiktüten, Flaschen und andere Materialien bildeten, nun aber von der Sonne in kleinste Teile zersetzt wurden. Dieses plastikverseuchte Wasser wird das Blauwal-Kalb schlucken. Als ausgewachsener Wal nimmt es jedes Mal 75.000 Liter Wasser ein, wenn es sein Maul öffnet um Krill zu fressen.

Dies war nur eine von vielen Szenen, die sich den britischen Filmemacher_innen von A Plastic Ocean boten. Die Organisation hinter dem Film, Plastic Oceans, hat sich mit den Wissenschaftler_innen der Brunel University zusammengetan, um einen neuen Bericht über die wissenschaftlichen Grundlagen herauszubringen, auf die sich der Dokumentarfilm stützt.

Dieser Bericht stellt fest, dass weltweit pro Jahr nahezu 300 Millionen Tonnen Plastik produziert werden. Das entspricht der Biomasse der gesamten erwachsenen menschlichen Erdbevölkerung. Von dem produzierten Plastik landen jährlich über 8 Millionen Tonnen als Müll in unseren Ozeanen. Die Wissenschaftler_innen sagen voraus, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2025 dramatisch erhöhen wird, da die wirtschaftliche Entwicklung voranschreitet und sich die Erdbevölkerung vergrössert.

Es gibt klare Beweise dafür, dass sich die Plastikverschmutzung durch unsere gesamte Nahrungskette zieht. Laut des Reports haben mehr als 90% der Seevögel Plastik in irgendeiner Form verschluckt. Am Anfang der Nahrungskette liegt das Plankton. Es mag zwar mikroskopisch klein sein, aber es ist eine wichtige Nahrungsquelle für grössere Meereslebewesen. Plankton nimmt Mikroplastik auf, dieses wandert durch die Nahrungskette nach oben, bis es schliesslich bei uns Menschen auf den Tellern landet.

Plastikmüll stellt eine chemische Bedrohung für die Umwelt dar, denn er enthält Chemikalien, die in die Umgebung abgibt, wo er weggeworfen wird. Die Wissenschaftler_innen der Brunel University kommen zum Ergebnis, dass eine weitere Gefahr des Plastiks darin besteht, dass es andere Chemikalien aus Industrie und Agrarwirtschaft aufnimmt, die ebenfalls in die Meere gekippt wurden. Diese Chemikalien sind häufig wasserabweisend, sie sammeln sich in sehr hoher Konzentration in den Plastikteilen an. Plastikreste, die unweit der japanischen Küste gefunden wurden, enthielten giftige Substanzen in einer millionenfach höheren Konzentration als im Wasser.

Jo Ruxton, die Regisseurin des Films und britische Exekutivdirektorin der Plastic Oceans Foundation, sagt: „Jetzt, wo wir wissen, wie schnell Plastik Chemikalien aufnimmt, wenn es im Ozean landet, sollten wir sämtlichen Plastik als schädlich für das Wasser klassifizieren.“

Die Plastik-Pellets, aus denen man andere Plastikprodukte herstellt, sind genauso bedenklich: „Im Moment ist recyceltes Plastik teurer als neu hergestelltes. Eine ganz einfache Gesetzesänderung, etwa eine Steuersenkung bei recycelten Plastikpellets, würde bereits einen signifikanten Unterschied machen“, fügt Jo hinzu.

Ein Film wie A Plastic Ocean ist eine von vielen Möglichkeiten, gegen die Plastikverschmutzung zu kämpfen. Die Filmmacher_innen hoffen, das Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu stärken und für eine Veränderung bei Konsument_innen, Unternehmen und Regierungen zu sorgen. Der Dokumentarfilm und der dazugehörige wissenschaftliche Bericht werden so vielen Regierungen wie möglich zur Verfügung gestellt. Man will die Ansichten der Gesetzgeber ändern und sie davon überzeugen, wie real und dramatisch die Gefahren für die Ozeane, die Umwelt und die menschliche Gesundheit sind, die von Einweg-Plastik ausgehen.

Als Jo Ruxton erstmals auf See fuhr, um die Auswirkungen von Plastik in den Ozeanen zu beobachten, erwartete sie „Müll-Inseln“. Doch die Wahrheit war viel schlimmer: „Das, was ich sah, war nicht so, wie ich es mir vorstellte. Ich dachte, man könne ein paar Boote losschicken und all den Müll einsammeln. Doch stattdessen waren unvorstellbare Mengen an Plastik vermischt mit Plankton vorzufinden. Wir warfen Tag und Nacht unsere Netze aus. Sie waren jedes Mal randvoll mit Plastik.“

Der grosse Pazifikmüllfleck

Zwischen der Westküste der USA und Japan liegt der sogenannte Great Pacific Garbage Patch, der grosse Pazifikmüllfleck. Er ist nur einer von vielen Müllstrudeln auf der ganzen Welt. Er wabert auf der Meeresoberfläche umher und ist ein gigantischer Müllberg, der aus zwei Arealen besteht – dem Western Garbage Patch und dem Eastern Garbage Patch. Beide entstanden, da sich Müll den Strömungen der Meere anschloss und so in grosse Strudel gelangte, die durch Windströme, die Erdrotation und Landmasse entstehen.

Für die Plastic Oceans Foundation ist Recycling nur eine Notlösung. Wann immer Plastik recycelt wird, sinkt seine Qualität. Nach zwei oder drei Runden ist das Material unbrauchbar. Jo erklärt: „Natürlich ist Recycling besser, als das Plastik einfach in den Ozean zu werfen, aber der Verzicht auf Plastik ist die beste Alternative.“

Es gibt Möglichkeiten, Plastik von den Ozeanen fernzuhalten, und diese liegen vor allem in unserer Hand: „Menschen entscheiden als Kosument_Innen. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und wenn wir als Konsument_innen anfangen, andere Dinge zu verlangen, werden sich die Unternehmen uns anpassen müssen, damit sie unseren Bedürfnissen gerecht werden. Wenn wir uns für bestimmte Unternehmen entscheiden, weil wir uns nicht nur für ihr Produkt sondern auch für die Verpackung interessieren, werden andere Unternehmen diesem Beispiel folgen.“

Doch nicht nur als Gemeinschaft der Konsument_innen, auch als Individuen können wir einiges unternehmen. Eine Geschichte, aus der Jo ihre Inspiration zieht, handelt von einem fünfjährigen Mädchen, welches eine besondere Mission hatte. Es verzichtete nicht nur auf Plastikstrohhälme, sondern wies auch Restaurantbesitzer_innen immer wieder darauf hin, dass sie keine Strohhälme aus Plastik verteilen, sondern solche aus Papier oder Bambus anbieten sollten.

„Wenn ein kleines Mädchen aktiv werden kann, können wir alle für einen spürbaren Unterschied sorgen“, sagt Jo.

City to Sea – von der Stadt ins Meer

City to Sea ist eine Organisation aus Grossbritannien, die für ein Ende von Einwegplastik kämpft. Durch Kampagnen erzeugt sie nationale Aufmerksamkeit, mit der sie Unternehmen und andere Umweltaktivist_innen dazu animieren will, kleine Änderungen mit grossem Effekt vorzunehmen.

Die Organisation versuchte alle grossen Geschäfte in Grossbritannien davon zu überzeugen, nicht länger Wattestäbchen mit Plastikstab zu verkaufen, sondern bis zum Ende 2016 auf Alternativen aus Papier umzusteigen. Über 150.000 Leute unterzeichneten die Petition namens #SwitchTheStick und verpflichteten sich, nicht länger Wattestäbchen aus Plastik zu kaufen. Die Gründerin von City to Sea, Natalie Fee, sagt: „Die Geschäfte wurden deutlich darauf hingewiesen, wie gross der Wunsch nach Veränderung in der Öffentlichkeit ist.“

Der Fokus auf dieses einzelne Problem wird dafür sorgen, dass in Grossbritannien über 320 Tonnen Einweg-Plastik pro Jahr eingespart werden. Dieses Plastik wäre niemals recycelt worden und ein Grossteil von diesen spitzen Stäbchen wäre im Ozean gelandet.

Die Gründerin der Organisation aus Bristol und selbsternannte Green Champion, Natalie, fügt hinzu: „Plastikmüll ist ein gigantisches Problem, aber selbst wenn wir nur kleine Dinge ändern, etwa durch den Verzicht auf Plastiktüten, Wasserflaschen aus Plastik und eben diese Wattestäbchen, ist dies eine gute Möglichkeit, das Problem anzugehen.“

Natalie wurde durch eine TV-Sendung inspiriert, in der man Albatross-Küken sah, die in ihren Nestern verhungerten – mit Mägen voller Plastik: „Ich konnte nicht einfach umschalten und diese Dinge geschehen lassen. Es fühlte sich an, als sehe ich meine eigenen Plastikprodukte in den Mägen von Albatross-Küken tausende Kilometer von meinem Zuhause entfernt. Das fühlte sich unglaublich falsch an. Also entschied ich mich, etwas dagegen zu unternehmen.“

Derzeit liegt der Fokus von City to Sea auf Plastikflaschen und einer Refill Kampagne, die unsere Art, unterwegs Wasser zu trinken, ändern will. Mit der zugehörigen Refill App werden wir ermutigt, immer eine wiederverwendbare Flasche bei uns zu tragen, die wir bei teilnehmenden Cafés, Geschäften und anderen Unternehmen kostenlos mit Leitungswasser auffüllen können. Eine digitale Karte zeigt uns, wo das geht.

Inzwischen machen viele Geschäfte mit, darunter auch einige LUSH Shops. Der Kern ist, das Konsumverhalten der Kund_innen zu ändern: „Es geht darum, Tabus zu brechen, damit sich die Menschen nicht komisch dabei fühlen, einen Laden zu betreten und nach Wasser zu fragen. Ausserdem schaffen wir so Bewusstsein, genügend zu trinken und immer eine Flasche bei sich zu haben.“ Doch eine Umfrage zeigt, dass sich noch 71% der Menschen schlecht dabei fühlen würden, nach Wasser zu fragen ohne etwas zu kaufen.

Auch die sozialen Medien eignen sich hervorragend, um gegen Einweg-Plastik vorzugehen. City to Sea erhöht mit Hilfe von Videos das Bewusstsein rund um die Problematik von Feuchttüchern bis hin zu plastikfreien Perioden.

Für diejenigen, die wirklich etwas ändern wollen, hat Natalie folgenden Rat: „Zu allererst musst du selbst damit aufhören, die Produkte zu kaufen, die du nicht länger in den Regalen der Geschäfte sehen willst. Dann musst du entweder die Zulieferer kontaktieren, einer Kampagne beitreten oder eine eigene ans Laufen bringen.“

„Geschäfte und Fabriken reagieren auf den Druck der Öffentlichkeit, doch dieser muss deutlich und bestens koordiniert sein.“

Da der Beweis erbracht ist, dass Individuen wirklich den Unterschied ausmachen, sind es laut Natalie die Kund_innen, die die Kraft haben, etwas zu verändern

„Menschen entscheiden als Kosument_Innen. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und wenn wir als Konsument_innen anfangen, andere Dinge zu verlangen, werden sich die Unternehmen uns anpassen müssen, damit sie unseren Bedürfnissen gerecht werden.

Jo Ruxton, Plastic Oceans Foundation