Der LUSH Prize – unser Engagement

Für eine tierversuchsfreie Zukunft

Leider gehören Tierversuche noch lange nicht der Vergangenheit an. Jährlich werden geschätzte 115 Millionen Tiere in Versuchen gebraucht und/oder getötet. Darum haben wir den LUSH Prize ins Leben gerufen. Diesen Preis verleihen wir jedes Jahr in sechs unterschiedlichen Kategorien an Wissenschaftler*innen, Politiker*innen und Organisationen, die sich stark machen für eine Zukunft ohne Tierversuche. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, unterstützen wir mit dem höchstdotierten Forschungspreis im Feld der Tierversuche insbesondere Wissenschaftler*innen, die an neuen, innovativen Testmethoden und Modellen arbeiten, für die keine Tiere leiden müssen. Denn nur wenn gute alternative Testmethoden zur Verfügung stehen, können Tierversuche mehr und mehr reduziert und eines Tages ganz durch leidfreie Methoden ersetzt werden. Weil wir glauben, dass Menschen, die solche Methoden entwickeln besondere Unterstützung verdient haben, verleihen wir im Jahr 2018 Preisgelder im Gesamtwert von 250'000 Pfund, was knapp 320'000 Schweizer Franken entspricht. 

Die vier Säulen des LUSH Prize

1. Tierversuche sind unwissenschaftlich und unmenschlich. Ungefähr 115 Millionen Tiere werden jedes Jahr in Tierversuchen verwendet. Viele von ihnen erleiden grosse Schmerzen, Angst und Stress. Nur gerade 43 Prozent der an Nagetieren als sicher erwiesenen chemischen Substanzen sind auch für Menschen unbedenklich. 92 Prozent aller neuen Medikamente, die in Tierversuchen erfolgreich waren, versagen auf dem Markt. Entweder weil sie bei Menschen zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, manchmal sogar sehr schädlich oder einfach nicht wirkungsvoll sind.

2. Giftigkeitstests sollten mit zuverlässigen, tierversuchsfreien Methoden durchgeführt werden. Der Nationale Forschungsrat der USA empfiehlt die Verwendung von neuen Testverfahren. Tierversuchsfreie Methoden sind schneller, weniger teuer und direkt auf den Menschen übertragbar.

3. Kampagnen und Lobbyarbeit sollten 1R stärken, anstelle des 3R. Viele Methoden die als “alternativ“ beschrieben werden, nutzen Fische oder wirbellose Tiere. Ebenfalls werden Tiere für ihr Gewebe oder alle Arten von Körperflüssigkeiten getötet. Der LUSH Prize fokussiert auf das eine R für Replacement (Ersatz). Denn mit einer Reduktion oder Verfeinerung (Refinement) der Versuche ist unser Ziel nicht erreicht.

4. Das Ziel des LUSH Prize ist das Ende der Tierversuche. Der jährlich verliehene Preis versucht die Einführung von neuen, tierversuchsfreien Methoden voranzutreiben. Der Fokus liegt dabei auf der Etablierung neuer Verfahren zur Sicherheit von Produkten und Inhaltsstoffen. Darum stellen wir den auf 350'000 Pfund dotierten Fonds zur Verfügung, aus dem Preise in verschiedenen Kategorien der Lobbyarbeit und Wissenschaft verliehen werden.

Arbeitest du oder jemand, den du kennst, an einer neuen Forschungsmethode ohne Tierleiden, engagiert sich politisch für eine Zukunft ohne Tierversuche oder hat bereits eine herausragende Entdeckung gemacht, die helfen könnte, dass Tierversuche bald der Vergangenheit angehören? Dann meldet euch noch bis zum 4. Juli 2018 an. Alle nötigen Infos und Anmeldeformulare findet ihr unter: https://LUSHprize.org/nominate-enter/

Warum wir an eine tierversuchsfreie Zukunft glauben:
 
Sie sind grausam
Die meisten Versuche, die an Tieren durchgeführt werden, werden vorgenommen, ohne dass das Tier betäubt wird oder ihm Schmerzmittel verabreicht werden. Die Tests verursachen grosse Schmerzen und Leid, oft auch über längere Zeiträume. Selbst wenn in der Haltung der Labortiere auf einen Minimalstandard geachtet wird und die Tiere zu zweit oder in Gruppen gehalten werden, kann permanenter Stress und Unbehagen der Tiere nicht verhindert werden.

Sie führen nicht zu den gewünschten Zielen
Die Biochemie, die Grösse, die Physis und die Lebenserwartung von Tieren variiert zwischen unterschiedlichen Arten und sogar Rassen sehr stark. Dies beeinflusst auch die Tests von toxischen Substanzen. Substanzen die für Mäuse und Ratten geeignet sind, können für Menschen hochgiftig sein und umgekehrt. Einige Chemikalien die sich im Tierversuch als sicher erwiesen haben, waren für Menschen giftig und hochgefährlich. Sie alle mussten vom Markt genommen werden. Im April 2015 veröffentlichte LUSH Prize ein kurzes Dokument, das einige Substanzen auflistet, die in Tierversuchen als sicher klassifiziert wurden, bei Menschen jedoch unerwünschte und/oder gefährliche Reaktionen verursacht haben. Viele Menschen sind sich der Unsicherheit, die Tierversuche mit sich bringen und dem grossen Leid, die sie für die Tiere bedeuten, bewusst. Tierversuchsfreie Methoden haben in den letzten Jahren grosse Erfolge erzielt und viele Firmen anerkennen den wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Nutzen von tierversuchsfrei produzierten Produkten. In der EU, in Indien und Israel sind Tierversuche für kosmetische Produkte mittlerweile verboten. Ähnliche Bestrebungen gibt es auch an vielen anderen Orten der Welt. Trotzdem ist noch viel zu tun. Dafür gibt es fünf Hauptgründe:
 
• Globalisierung der Märkte bedeutet, dass Tierversuche zwar in einigen Ländern verboten sind, dieselben Produkte für den Verkauf in anderen Ländern aber an Tieren getestet werden. In China ist das Testen von Kosmetikprodukten an Tieren gesetzlich vorgeschrieben, darum gibt es keinen LUSH in China.
• Umweltrichtlinien, die das Testen von älteren Inhaltsstoffen erfordern, haben neuen Druck in diesem Bereich aufgebaut. Unter dem EU Gesetz REACH hat sich die Zahl der Tierversuche zwischen 2011 und 2014 verdoppelt.
• Während die meisten Menschen tierversuchsfreie Methoden aus tierethischen und wissenschaftlichen Gründen bevorzugen, entwickeln sich die alternativen Testverfahren nur langsam. So können noch nicht alle Tierversuche durch Alternativen ersetzt werden.
• Für bereits bestehende alternative Methoden ist der Anerkennungsprozess durch staatliche Kontrollinstanzen oft langwierig und schwierig.
• Selbst die bestehenden tierversuchsfreien Methoden werden nicht immer genutzt. Entweder weil sie nicht obligatorisch sind oder weil die betreffenden Forscher*innen nichts über deren Existenz wissen.